Brigitte Allgeier

Kräuterpädagogin - BNE


Natur mit Begeisterung erleben.      Seifensi​eden aus Lei​denschaft.      Altes Wissen und Brauchtum erfahren.     Seminare seit 2010


Planzen-/Natur - Gedichte



Frag die Grünwarenfrau!


Da war eine alte Mohrrübe drin,

so knollig, so dick und so schwer,

die hatte gar einen gefährlichen Sinn,

sie wünschte, dass sie verheiratet wär

mit `ner jungen Mohrrübe lieblich und gut

aus der Rüben alleradligstem Blut.

Und die Hochzeit kam.

Die Bewirtung war unbezahlbar gut;

sie kostete gar kein Geld,

sie leckten Mondschein und tranken Tau,

nahmen Blumenduft aus Wiese und Au

und Blütenstaub von Wald und Feld.

Die alte Mohrrübe grüßte mit einem Ruck

und sprach so viel und so lang;

die Worte, die glucksten kluck um kluck,

klein Mohrrübchen machte auch keinen Muck,

saß da so ernst und bang,

jung und schmuck.

Willst du′s wissen genau,

frag die Grünwarenfrau.


Ein Rotkohl hat sie als Pfarrer getraut,

Braujungfern sind weiße Rüben;

Spargel und Gurke kam nach Belieben,

Kartoffeln standen und sangen laut.

Und es wurde getanzt von groß und von klein -

frag die Grünwarenfrau, sie sagt′s dir allein.

Die alte Mohrrübe sprang ohne Strümpfe und Schuh,

hohei, da zersprang sie im Rücken,

und dann war sie tot, wuchs niemals mehr zu.

Die junge Mohrrübe lachte in Ruh,

so wunderlich kann es sich schicken.

Nun war sie Witwe, nun war sie froh,

nun konnte sie leben, huchheia hei ho!

In den Suppentopf sprang sie als Jungfrau hinein,

jung, froh, frisch und fein.

Willst du′s wissen genau,

frag die Grünwarenfrau.

Hans Christian Andersen

(* 02.04.1805, † 04.08.1875)


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Frühling


Lenz! Dich hätten wir beinah vergessen!

Frisch und kühn

sprießt inmitten dem Randal indessen

junges Grün.

Blätter stecken ihre zarten Spitzen

hastend aus.

wie sie schmuck auf ihren Ästen sitzen!

Feucht und kraus!

Und sie sehen: Bunte Tumultanten!

Militär!

Sehen wildgewordene Adjutanten –

Welch ein Heer!

Und sie sehen: Grad die falschen Leute

packts Gericht.

Doch die großen Diebe ... Heute?

Heute nicht.

Und die jungen Blätter blitzen

Und sie denken sich: Was mag das sein?

Könnten sie, sie zögen ihre Spitzen

schleunigst wieder ein –!


Kurt Tucholsky


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Der Frühling


Die Sonne glänzt, es blühen die Gefilde,

Die Tage kommen blütenreich und milde,

Der Abend blüht hinzu, und helle Tage gehen

Vom Himmel abwärts, wo die Tag entstehen.

Das Jahr erscheint mit seinen Zeiten

Wie eine Pracht, wo Feste sich verbreiten,

Der Menschen Tätigkeit beginnt mit neuem Ziele,

So sind die Zeichen in der Welt, der Wunder viele.

Mit Untertänigkeit


Scardanelli. d. 24 April 1839.

Friedrich Hölderlin, 1839

Aus der Sammlung Gedichte 1806–1843


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Im Frühling

Der Berge Gipfel glühen

Im Frühlingssonnenstrahl,

Und blaue Veilchen blühen

Im morgenfrischen Tal,

Und während durch die Klüfte

Die Nacht noch träumend zieht,

Tönt durch die heitern Lüfte

Das erste Frühlingslied.

Da schüttelt von den Schweingen

Mein Geist den Traum der Nacht,

Er hört die Lerche singen

Und fühlt sich froh erwacht,

Und hat sich schon erhoben

Mit mächt’gem Flügelschlag,

Um dankbar Gott zu loben

Am ersten Frühlingstag.

Nun wird die Erde wieder

An tausend Wonnen reich,

Voll Blumen und voll Lieder

Dem Garten Eden gleich.

Man fühlet allerorten

Den Atem Gottes wehn

Und sieht die goldnen Pforten

Des Himmels offen stehn.

Doch zieht ein ernstes Mahnen

Wehmütig durch die Brust,

Ob uns auf allen Bahnen

Umrauscht die Frühlingsluft.

Ach! flüchtig sind die Lose,

Die uns der Lenz beschied,

Am Rain verwelkt die Rose,

Am Hain verstummt das Lied.

Einst wird für alle Frommen,

Die fest dem Herrn vertraun,

Ein ew’ger Frühling kommen

Auf ewig grünen Au’n,

Wo unter blüh’nden Palmen

Der Strom des Lebens rauscht,

Auf Harfenspielt und Psalmen

Das Ohr der Sel’gen lauscht.


Julius Sturm

Aus der Sammlung Gott grüße dich!



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Die Rose.


Die Rose hier, die gelbe,

Gab gestern mir der Knab’;

Heut trag’ ich sie, dieselbe,

Hin auf sein frisches Grab.

Die Rose ist seit gestern

Noch immer hold und schön,

So ganz wie ihre Schwestern

Im Hag und auf den Höh’n.

An ihren Blättern lehnen

Noch lichte Tröpfchen — schau!

Nur sind es heute — Tränen,

Und gestern war es Tau . . . .


Rainer Maria Rilke, 2010

Aus der Sammlung Wegwarten.


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Mit einer Schlüsselblume


Du herzig’, schöne Frühlingsmaid,

nimm Frühlings erste Blüte.

Missacht’ sie nicht, nur weil du weißt,

dass Sommer Rosen bietet.

Gewiss ist Sommer schön und licht,

und Lebens Herbst bringt viel.

Doch Lenz am allerschönsten ist

mit Liebe, Lust und Spiel.

Mein zartes Kind, wir beide sind

erblüht in Lenzes Schimmer!

So nimm meine Blum’,

doch gib dafür dein süßes Herz für immer.


© Bertram Kottmann, 09.09.2019

aus dem Bokmål:

Med en primula veris

Du Vårens milde, skjønne Barn,

tag Vårens første Blomme,

og kast den ej, fordi du ved,

at Somrens Roser komme.

Ak, vist er Somren lys og smuk

og rig er Livets Høst,

men Våren er den dejligste

med Elskovs Leg og Lyst.

Og du og jeg, min ranke Mø,

står jo i Vårens Rødme!

Så tag da min Blomst,

men giv igjen dit unge Hjertes Sødme.


John Olaf Paulsen, 1876


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Das Veilchen


Ein Veilchen auf der Wiese stand,

Gebückt in sich und unbekannt;

Es war ein herzigs Veilchen.

Da kam eine junge Schäferin

Mit leichtem Schritt und munterm Sinn

Daher, daher,

Die Wiese her, und sang.

Ach! denkt das Veilchen, wär’ ich nur

Die schönste Blume der Natur,

Ach, nur ein kleines Weilchen,

Bis mich das Liebchen abgepflückt

Und an dem Busen matt gedrückt!

Ach nur, ach nur

Ein Viertelstündchen lang!

Ach! aber ach! das Mädchen kam

Und nicht in acht das Veilchen nahm;

Ertrat das arme Veilchen.

Es sank und starb und freut’ sich noch:

Und sterb’ ich denn, so sterb’ ich doch

Durch sie, durch sie,

Zu ihren Füßen doch.


Johann Wolfgang von Goethe


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Märzveilchen


Robert Schumann

Op. 40


Der Himmel wölbt sich rein und blau,

Der Reif stellt Blumen aus zur Schau.

Am Fenster prangt ein flimmernder Flor,

Ein Jüngling steht, ihn betrachtend, davor,

Und hinter den Blumen blühet noch gar

Ein blaues, ein lächelndes Augenpaar,

Märzveilchen, wie jener noch keine gesehn.

Der Reif wird, angehaucht, zergehn.

Eisblumen fangen zu schmelzen an,

Und Gott sei gnädig dem jungen Mann.


Deutsche Übersetzung : Adelbert von Chamisso


Hans Christian Andersen

(* 02.04.1805, † 04.08.1875)


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